Ein erstes Treffen bei Kaffee und vielen Fragen – wie Mentoring neue Wege öffnet
Unsere Museumskuratorin Andrea Durry nimmt uns mit auf eine ganz besondere Reise hinter die Kulissen des Schokoladenmuseums – diesmal geht es aber nicht um Ausstellungsstücke, sondern um gesellschaftliche Verantwortung. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Yvonne Arens engagiert sie sich im Mentoring-Programm MENTEGRA, um einer qualifizierten geflüchteten Frau aus der Ukraine den Einstieg in die deutsche Arbeitswelt zu erleichtern. Warum dieser Austausch eine absolute Bereicherung für beide Seiten ist und wie das erste Treffen bei Kaffee und vielen Fragen lief, erfährst du in diesem Beitrag.
Mentoring, das bewegt
Als Schokoladenmuseum verstehen wir uns nicht nur als Ort für Kultur und Geschichte, sondern auch als Teil der Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten. Verantwortung endet für uns daher nicht an der Museumstür. Sie beginnt dort eigentlich erst.
Aus diesem Grund beteiligen wir uns am Mentoring-Programm MENTEGRA – und haben uns bewusst dafür entschieden, eine qualifizierte geflüchtete Frau auf ihrem Weg in die deutsche Arbeitswelt zu begleiten.
Was ist MENTEGRA?
MENTEGRA ist ein Programm des Kompetenzzentrums Frau & Beruf Region Köln. Es bringt kleine und mittlere Unternehmen mit geflüchteten Frauen zusammen, die in ihren Herkunftsländern häufig über eine fundierte Ausbildung und wertvolle Berufserfahrung verfügen. Dennoch gelingt vielen von ihnen der Einstieg in eine adäquate Beschäftigung in Deutschland nur schwer.
Das Programm setzt genau hier an: Über einen Zeitraum von zwölf Monaten entstehen Mentoring-Tandems aus einer Mentorin oder einem Mentor und einer Mentee. In regelmäßigen Gesprächen geht es um berufliche Orientierung, Einblicke in den Arbeitsalltag und den Austausch von Wissen und Erfahrungen.
Begleitend finden Netzwerkveranstaltungen statt, und eine Hospitanz im Unternehmen ermöglicht es, praktische Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.
Unsere Motivation
Für uns als Museum ist die Teilnahme an MENTEGRA vor allem Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung. Wir möchten Frauen in Fluchtsituationen unterstützen und dort helfen, wo wir können – mit unserem Wissen, unseren Erfahrungen und unseren Netzwerken.
Gleichzeitig eröffnet uns das Programm die Möglichkeit, qualifizierte Fachkräfte kennenzulernen, die bisher oft viel zu wenig sichtbar sind. Es geht also nicht nur um Unterstützung, sondern auch um Austausch und gegenseitiges Lernen.
Begegnung und viele neue Perspektiven
Gemeinsam mit einer Kollegin begleite ich eine Mentee, die über eine hohe Qualifikation im Bereich Lebensmitteltechnologie verfügt. Schon unsere ersten Treffen waren geprägt von Offenheit und Vertrauen. Schnell wurde deutlich, wie viel Motivation und Fachwissen sie mitbringt – und zugleich, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert ist.
Mich hat überrascht, wie schwierig es trotz guter Ausbildung und Berufserfahrung sein kann, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen. Besonders bewegt hat mich darüber hinaus ihre persönliche Geschichte, die auch von einschneidenden Erfahrungen seit ihrer Flucht geprägt ist. Im Mentoring wird diese Realität sehr konkret. Es macht sichtbar, wie komplex die Strukturen und Anforderungen sein können, wie unterschiedlich Arbeitsweisen und Berufswege verlaufen, wie verschieden der Arbeitsalltag in ihrem Heimatland und Deutschland ist – und wie wichtig dabei persönliche Begleitung und Orientierung sind.