Seit mehr als zehn Jahren galt der weltweite Kakaomarkt als vergleichsweise stabil. Verlässliche Ernteprognosen, gut gefüllte Lager und niedrige Preise sorgten für Ruhe im Sektor. Doch diese scheinbare Sicherheit erwies sich als trügerisch.
Nach einer bereits schwachen Ernte 2022/23 traf die Branche 2023/24 ein weiterer massiver Ernteausfall in Ghana und der Côte d’Ivoire – den beiden wichtigsten Erzeugerländern der Welt. Die Folgen waren dramatisch: Die globale Kakaoproduktion ging um rund 13 % zurück, während die Preise innerhalb kürzester Zeit explodierten. Sie verdoppelten, verdreifachten – ja, vervierfachten sich sogar – und stiegen auf über 12.000 USD pro Tonne. Inflationsbereinigt hatte der Markt seit Jahrzehnten keinen vergleichbar hohen Wert erlebt.
Diese extreme Volatilität erschütterte den gesamten Sektor. Sie verunsicherte Produzent:innen ebenso wie Handel, Industrie und Verbraucher:innen – und warf für mich eine zentrale Frage auf: Was ist hier eigentlich Realität, und sehen wir womöglich nur eine Seite der Medaille?
Genau diesen Fragen wollten wir im Schokoladenmuseum Köln gemeinsam nachgehen.
Warum wir diese Konferenz organisiert haben
Unter dem Titel „Price chaos in the cocoa market – Conflicts of interest, room for change?“ fand am 5. November 2025 im Schokoladenmuseum Köln eine internationale Kakaokonferenz statt. In Kooperation mit dem SÜDWIND-Institut haben wir Expert:innen, Produzent:innen, Vertreter:innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Industrie aus aller Welt zusammengebracht.
Mir war es besonders wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden – und kontroverse Positionen offen diskutiert werden können.
Ein Abend des Austauschs über den Dächern von Köln
Bereits am Vorabend, dem 4. November, begann die Konferenz mit einem gemeinsamen Get‑together über den Dächern von Köln. In entspannter Atmosphäre konnten sich die Teilnehmenden kennenlernen und erste Gespräche führen.
Nach den Begrüßungsworten von Dr. Christian Unterberg‑Imhoff setzte die Keynote von Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich einen inhaltlichen Schwerpunkt: Sie sprach über die dringend notwendige Transformation globaler Lieferketten – ein Thema, das angesichts der aktuellen Entwicklungen im Kakaosektor kaum aktueller sein könnte.
Der Konferenztag: Analysen, Perspektiven und Zukunftsvisionen
Am 5. November widmete sich der Konferenztag den zentralen Fragen des aktuellen Marktgeschehens. In verschiedenen Fachvorträgen ging es unter anderem darum:
- wie sich der Kakaopreis eigentlich zusammensetzt und welche Preisbildungsmechanismen greifen,
- welche Machtstrukturen und Beschaffungspraktiken entlang der Wertschöpfungskette wirken,
- wie Konsument:innen auf steigende Preise reagieren,
- und welche Handlungsspielräume Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft haben.
Besonders wertvoll empfand ich die Praxisberichte von Unternehmen, die täglich mit den Herausforderungen volatiler Märkte umgehen müssen. Sie machten deutlich, wie komplex die Situation ist – und wie eng wirtschaftliche, soziale und ökologische Fragen miteinander verwoben sind.
Zur Mittagszeit bot eine Führung durch unsere Ausstellung „Cocoa’s journey through time“ Gelegenheit, das Thema historisch einzuordnen. Am Nachmittag richtete sich der Blick dann bewusst nach vorn: Vertreter:innen aus verschiedenen Ländern teilten ihre Visionen für einen Kakaomarkt, in dem Produzent:innen stärker in den Mittelpunkt rücken, nachhaltige Beschaffung zur Selbstverständlichkeit wird und gute Einkaufspraktiken zu mehr Stabilität beitragen.
Den Abschluss bildete eine Diskussionsrunde mit Friedel Hütz‑Adams, bevor der Tag bei intensivem Networking ausklang.
Mein Fazit
Ein zentrales Ergebnis der Konferenz war die gemeinsame Einschätzung, dass der aktuell hohe Kakaopreis (Stand November 2025) vielen Menschen in den Anbauregionen grundsätzlich zugutekommt. Besonders in Mittelamerika können Produzent:innen durch das gestiegene Preisniveau Rücklagen bilden und ihre wirtschaftliche Situation stabilisieren. Auch in Westafrika sorgt der höhere Erlös pro Tonne dafür, dass viele Bäuerinnen und Bauern hoffnungsvoller in die Zukunft blicken.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich der Markt langfristig stabilisieren muss. Viele Teilnehmende erwarten und hoffen, dass sich der Kakaopreis mittelfristig auf einem Niveau von etwa 4.000 bis 5.000 USD pro Tonne einpendelt – eine Preisspanne, die Planungssicherheit schaffen und den Produzierenden nachhaltig zugutekommen könnte.
Für mich hat die Konferenz vor allem eines gezeigt: Der Dialog über globale Lieferketten braucht Räume, in denen unterschiedliche Stimmen gehört werden. Genau einen solchen Ort wollen wir mit dem Schokoladenmuseum weiterhin bieten.