Die Stadt Köln hat eine bewegte Geschichte. Sie ist von Veränderung geprägt. Diese Veränderung zeigt sich vor allem im Stadtbild. So wird stets gebaut, umgebaut, renoviert. Auch der Rheinauhafen kann auf eine lange und vor allem spannende Geschichte zurückblicken. Heute sieht er ganz anders aus als noch vor 50 Jahren.

Wusstet ihr, dass damals an der Spitze der Insel, auf der das Schokoladenmuseum heute steht, Kühe gegrast haben? Wahrscheinlich wusstet ihr das nicht. Der Rheinauhafen blickt nämlich auf eine interessante Geschichte zurück. Im Laufe der Zeit hat sich von der Nordspitze mit dem Malakoffturm bis hin zum anderen Ende und dem alten Krafthaus viel verändert.

Was genau, erzähle ich euch hier:

Autor

Lewin Schoepe

Kategorie
Datum

7. Mai 2024

Rheinauhafen
Krafthaus Rheinauhafen

Das Herz des Hafens

Fangen wir an mit dem Herzen des Rheinauhafens, dem Krafthaus. Wie der Name schon vermuten lässt, kam hier die Kraft des Rheinauhafens her. Das bedeutet, dass dieses Gebäude das gesamte Hafengebiet mit Energie versorgte. Mittels Elektrizität und Wasserdruck versorgte das Krafthaus 34 hydraulische Portalkräne, 16 Elektrokräne, fünf Dampfkräne sowie eine Vielzahl an Aufzügen in den Zollhallen. Insgesamt wurden 3190 Meter Druckleitung verlegt.

Heute beherbergt das Krafthaus verschiedene Kreativagenturen. Damals wurde dort Energie produziert, heute stehen eher kreative, geistige Produkte im Vordergrund.

Irgendwie muss man ja rüberkommen

Ein wichtiger Teil des Rheinauhafens sind sicherlich die verschiedenen Brücken über den Rhein, die der Rheinauhafen über Jahrhunderte hinweg gesehen hat. Zu Zeiten der Römer im alten Colonia Claudia Ara Agrippinensium, so hieß Köln damals, verband eine 420 Meter lange Holzbrücke mit Steinpfeilern die beiden Rheinseiten. Das Bauwerk wurde unter Kaiser Konstantin I. errichtet. Aus diesem Grund wurde die Römerbrücke auch häufig als die Konstantinbrücke bezeichnet.

Ihr Ende fand die Brücke mit dem endgültigen Abbruch im Jahr 960 nach Christus. In Folge dauerte es 862 Jahre, bis ins Jahr 1822, in dem die neue Deutzer Schiffsbrücke erbaut wurde. Sie wird als Schiffsbrücke bezeichnet, weil sie geöffnet werden konnte, mussten größere Schiffe die Brücke passieren. Diese ist allerdings nicht mit der heutigen Deutzer Brücke zu verwechseln. Denn heute steht sie 50 Meter weiter südlich, als die damals erste reine Straßenbrücke in der „Stadt mit dem Dom“.

Römerbrücke Konstantinbrücke
Rheinbrücke

Naherholungsort

Bis der Kölner Dom allerdings vollendet war, im Jahre 1880, sah auch der Rheinauhafen noch ganz anders aus als heute. Dieser war nämlich von Bäumen umgeben und wurde von den Kölnerinnen und Kölnern als Naherholungsgebiet genutzt. Da auch die Wasserverschmutzung noch nicht so präsent war wie sie es heute ist, befand sich auch am Rheinauhafen zur Flussseite eine Badeanstalt: Hier konnten die Bürger, damals noch streng nach Geschlechtern getrennt, im Rhein schwimmen.

Im Laufe der Zeit wurde der Rheinauhafen immer mehr zum Warenumschlagplatz. Der Güterverkehr nahm zu und der Freizeitwert ging verloren.

Güter und Waren wo das Auge hinschaut

Der Rheinauhafen stellte nämlich eine exzellente Möglichkeit für die Stadt Köln dar, Handel zu betreiben. Schon die alten Römer nutzten den Rhein als Transportweg. Im Mittelalter prägten vor allem sogenannte Rheinflöße das Stadtbild. Die aus Holz erbauten Flöße, bis zu 400 Meter lang und 80 Meter breit, transportierten verschiedene Waren und Güter den Rhein entlang. Köln besaß das Stapelrecht. Das bedeutete, dass alle auf dem Rhein transportierten Waren den Kölner Bürgern drei Tage lang zum Kauf angeboten werden mussten. Diese Regelung brachte der Stadt Köln sowie deren Bürgern großen Reichtum. Das Geschäft boomte und so mussten neue, größere Lagerhäuser her. So könnt ihr unweit vom Schokoladenmuseum entfernt noch heute die alten Lagerhäuser begutachten, die damals bis oben hin mit Waren und Gütern aller Art voll waren.

Lagerhalle
Lagerhalle Rheinauhafen Innen

Manche der alten Lagerhallen sind restauriert worden und gleichen heute wie damals fast dem Abbild einer dorischen Kapelle.

Die Lagerhäuser sind allerdings nicht das Einzige, was im Rheinauhafen restauriert und modernisiert wurde. Um den eben angesprochenen Freizeitwert des Hafens wiederherzustellen, fand im Jahr 1992 ein Architekturwettbewerb darüber statt, was mit dem alten Gelände passieren sollte. Denn das Handelszentrum Kölns verlagerte sich irgendwann in an den Stadtrand platzierte Häfen. So wurde der Rheinauhafen in einem Hafenkonzept von 1988 nicht mal mehr als Umschlaghafen erwähnt. Er war wieder zu einem Naherholungsgebiet geworden. Heute sind unter anderem ein Skaterpark und ein Grünbereich am südlichen Ende des Hafengebietes zu finden.

MalakoffturmAußen

Ein steiniger Weg

Allerdings war es ein vergleichsweise langer Prozess vom Naherholungsort zum Zentrum des Kölner Güterverkehrs zurück zum Naherholungsort. Es war ein „steiniger Weg“. So wurden im Februar 1784 durch einen schweren Eisgang große Teile des Hafengeländes zerstört. Dies nahm die Stadt zum Anlass, die rheinische Stadtbefestigung auszubauen. Im Zuge dessen wurde eine neue Kehlmauer sowie eine eiserne Drehbrücke, die auch heute noch vor dem Schokoladenmuseum ihre Arbeit tut, errichtet. An der Nordspitze der Insel wurde außerdem der Malakoffturm gebaut. Er funktionierte als Torturm an der Spitze des Hafenbeckens und kann auch heute noch begutachtet werden. Denn um ihn herum befindet sich heute die Hafenterrasse am Malakoffturm. Ein Biergarten direkt am Schokoladenmuseum, besser geht es an den warmen Sonnentagen wohl nicht: Nach einem interessanten Tag im Schokoladenmuseum könnt ihr den Tag im Biergarten mit Blick auf den Malakoffturm und das Schokoladenmuseum ausklingen lassen. Vorher könnt ihr euch natürlich noch mit reichlich Schokolade in unserem Chocolat Shop eindecken oder ein Stück Kuchen auf der Terrasse bei uns im Chocolat Grand Café mit Blick auf den Rhein genießen.

Es wird größer

Heute steht der Malakoffturm allerdings nicht mehr auf seiner ursprünglichen Seite. Denn während der Entstehung einer neuen Werftanlage wechselte der Turm auf die Stadtseite. Im Zuge des Hafenausbaus um das Jahr 1898 herum vergrößerte sich das Hafengebiet drastisch. Die Kosten für die Vergrößerung auf 26.000 Quadratmeter lagen bei einer für die damaligen Verhältnisse stattlichen Summe von 20,27 Millionen Mark. Das entspricht in etwa einer Summe von 10,36 Millionen Euro.

Wir bleiben beim Thema Geld. Denn wie bereits dargelegt, herrschte am Rheinauhafen zeitweise ein reger Güterverkehr. Und überall dort, wo Waren international gehandelt werden, gibt es den Zoll. So auch auf dem Werthchen.

Das Werthchen

Ihr fragt euch sicherlich, ob ich gerade einen Tippfehler gemacht habe oder ob die Autokorrektur eingegriffen hat. Ich kann euch sagen, dass dies beides nicht der Fall ist. „Werth“ ist die alte Bezeichnung für Insel. Dort, wo heute das Schokoladenmuseum steht war früher eine natürliche Insel, die dem Festland vorgelagert war. Da sie anfangs noch sehr klein war, wurde die Insel von den Kölnern und Kölnerinnen liebevoll Werthchen genannt. Sie taucht in geschichtlichen Erzählungen erstmals als Hinrichtungsstätte auf. Später nutzen vor allem Bauern und Fischer die Insel für landwirtschaftliche Zwecke. Noch viel später wird die Insel zu einem Naherholungsort. Das Südende der Insel wurde 1850 mit dem Festland verbunden, sodass die heutige Halbinsel entstand.

Schokoladenmuseum alt Luftbild
Werthchen

Wo waren wir stehen geblieben? Bei den Zollhäusern richtig. Diese Bauten umfassten mitunter fünf Etagen, konnten so also eine Menge an Waren und Gütern zwischenlagern. Während des Zweiten Weltkrieges jedoch wurden die Hallen stark beschädigt, sodass der Wiederaufbau später klar den Fokus auf Funktionalität legte. Heute befinden sich in den ehemaligen Zollhallen verschiedene Büroräume, aber auch das Deutsche Sport & Olympia Museum direkt neben dem Schokoladenmuseum.

Das Schokoladenmuseum im Hauptzollamt

Das Museum stand aber nicht schon immer so da, wie es das heute tut. Unser Gebäude kann so wie die Schokolade selbst auf eine spannende Geschichte zurückblicken.

Anfänglich stand nämlich an der Spitze der Insel das Hauptzollamt, das wichtigste Gebäude im Rheinauhafen. Das Gebäude, welches heute die Kulturgeschichte unserer Ausstellung im Obergeschoss und die Weltreise des Kakaos im Erdgeschoss beherbergt, lag damals an der Spitze des 510 Meter langen Zollhafens.

Anfang der 1990er-Jahre will sich Hans Imhoff, der Schokoladenkönig Kölns, seinen Traum erfüllen: Ein eigenes Schokoladenmuseum. Seine Frau Gerburg Klara Imhoff stößt auf das ehemalige Hauptzollamt, welches bis zum Schluss der staatlichen Verwaltung diente.

Bei der Konzeption des Museums ging es vor allem darum, das alte Hauptzollamt harmonisch mit dem Neubau des Museums zu verknüpfen. So wurde das alte Gebäude komplett in den neuen Komplex eingebunden, der Übergang von alt zu neu ist fließend.

Altes Hauptzollamt
Schokoladenmuseum Gebäude

Wer von euch sich das Schokoladenmuseum einmal näher anschauen möchte, kann dies gerne tun. Spaziert doch einfach mal den Rheinauhafen entlang und seht euch die beschriebenen Gebäude an. Der Abschluss eurer kleinen Tour kann dann das Schokoladenmuseum darstellen.

Auf über 4000 Quadratmetern erfahrt ihr alles rund um das braune Gold.

Und wenn ihr Lust habt, lasst ihr den Tag bei uns auf der Sonnenterrasse direkt über dem Rhein in unserem Chocolat Grand Café ausklingen.

Wir freuen uns auf euren Besuch!